Forschungsdesign und Arbeitspakete

I. Ist-Stand-Analyse

Die Ist-Stand-Analyse dient im Rahmen der Vorarbeit zur Konzeptentwicklung der Beantwortung der folgenden Fragen:

  • Wie, durch wen und in welchem Umfang werden Instrumente zur Vorausplanung am Lebensende (u.a. Patientenverfügungen, Vorsorgevollmachten, Betreuungsverfügungen, Notfallpläne) und Gespräche zur Ermittlung des Patientenwillens im Sinne einer Vorausplanung in Pflegeeinrichtungen eingesetzt?
  • Welche Gesprächsprozesse, Ressourcen, Vorstellungen und Kompetenzen zur Vorausplanung am Lebensende sind bei professionellen Akteurinnen/Akteuren im Setting Pflegeheim vorhanden?
  • Welche Barrieren werden in der Umsetzung von Vorausplanungskonzepten und entsprechenden Kommunikationsprozessen wahrgenommen?
  • Von welcher Art, Umfang, Inhalt, Aktualität und Qualität sind vorhandene Dokumente zur Vorausplanung am Lebensende?

Methodik

  • Fragebogenerhebung zur Abbildung der aktuellen Praxis zur Vorausplanung der Versorgung und zur Erfassung von Art und Ausmaß der Dokumentation der Vorausplanung am Lebensende im Kontext der stationären Pflegeeinrichtungen
  • Kriteriengeleitete und inhaltsanalytische Dokumentenanalyse von Schriftstücken zur Vorausplanung am Lebensende (bspw. Patientenverfügungen, Vorsorgevollmachten, Notfallpläne, Hausärztlichen Anordnungen für den Notfall etc.)
  • Inhaltsanalytische Auswertung, Verfahren der deskriptiven Statistik


II. Bedürfnisanalyse

Im Rahmen der Bedürfnisanalyse sind folgende Fragestellungen leitend:

  • Welche Bedürfnisse, Erwartungen und Wünsche haben Bewohnerinnen/Bewohner von stationären Pflegeeinrichtungen an eine gelingende Vorausplanung und Entscheidungsfindung zu ihrer Versorgung am Lebensende?
  • Wie sollte die Gestaltung der letzten Lebensphase aussehen und in welcher Weise sollen Kommunikationsprozesse über die Vorausplanung am Lebensende erfolgen?
  • Welche Bedürfnisse, Erwartungen und Wünsche haben Angehörige und nahestehende Personen hinsichtlich einer Vorausplanung der Versorgung ihrer Angehörigen/ Nahestehenden am Lebensende?
  • Wie kann bzw. sollte unter den gegebenen Bedingungen der stationären Pflegeeinrichtungen eine autonomieförderliche Gestaltung der letzten Lebensphase der Bewohnerinnen und Bewohnern aussehen? Welche Bedarfe, Barrieren und Ressourcen gibt es?

Methodik

  • Problemzentrierte Interviews mit Bewohnerinnen/Bewohnern stationärer Pflegeeinrichtungen zur Rekonstruktion von Wünschen, Bedürfnissen und Ängsten bzgl. der gesundheitlichen Versorgung am Lebensende 
  • Fokusgruppen mit Angehörigen, Nahestehenden, Pflegenden, Sozialarbeiterinnen/Sozialarbeitern sowie Hausärztinnen/Hausärzten und anderen Angehörigen der ärztlichen Profession
  • Inhaltsanalytische Auswertung


III. Normativer und konzeptioneller Rahmen

Patientenautonomie und Selbstbestimmung haben sich zu zentralen Begriffen der medizinethischen, medizinrechtlichen und medizinpsychologischen Debatte herausgebildet. Im Rahmen des Forschungsprojekts wird die Autonomie vulnerabler Personengruppen in den Fokus der Forschung gestellt, autonomiegefährdende Kontexte identifiziert und analysiert und Möglichkeiten offeriert, Autonomie zu fördern. Dabei bilden Autonomie und Fürsorge keine Gegensatzpaare, sondern Autonomieförderung wird als Teil von Fürsorge verstanden.

Im Rahmen des Forschungsprojekts wird ausgehend von unterschiedlichen Autonomiekonzepten die Frage zu stellen sein, welche Maßnahmen notwendig sind, um dem Autonomieverständnis des Einzelnen gerecht zu werden und welche rechtlichen, ethischen und kommunikativen Herausforderungen sich hiermit verbinden. Komplexe Entscheidungen am Lebensende, betrachtet aus den Blickwinkeln verschiedener Disziplinen wie Medizin – Ethik – Recht sollen in ein normatives Gerüst eingebettet und hiervon ausgehend ein Konzept entwickelt werden.

IV. Konzeptentwicklung (basierend auf der Ist-Stand-Analyse, Bedürfnisanalyse und normativen Reflexion)

Sowohl Ist-Stand-/ Bedürfnisanalyse als auch die normative Reflexions- und Begründungsarbeit schaffen eine Erkenntnisbasis, vor deren Hintergrund im Anschluss ein wirksames Konzept zur Unterstützung und Ermöglichung von Vorausplanungs-/Entscheidungsfindungsprozessen für die Versorgung am Lebensende erarbeitet wird. Dessen Ausgestaltung (bspw. als Schulungs-/Qualifizierungskonzept, als Konzept für Change-Prozesse und Kulturwandel etc.) wird durch die Ergebnisse der Analysen bestimmt. Grundsätzlich soll das Konzept die Wünsche und Bedürfnissen von Bewohnerinnen und Bewohnern sowie deren Angehörigen und nahestehenden Personen einbeziehen und angesichts gegebener Ressourcen, Strukturen und Möglichkeiten in den stationären Pflegeeinrichtungen praktikabel umsetzbar sein. 

Das Konzept wird gemeinsam mit unseren Praxis-/Kooperationspartnern einer formativen und summativen Evaluation unterzogen und im Anschluss für eine breite Nutzung aufbereitet und der (Fach-)Öffentlichkeit zugänglich gemacht.